Geschichte erzählt – regionale Geschichte lebendig vermittelt
Konfirmationsstadt Ziegenhain

Die Konfirmationsskulptur

Fünf Figuren erzählen von einer Idee, die 1539 in Ziegenhain Gestalt annahm und bis heute Menschen in aller Welt begleitet.

Die Bronzegruppe vor der Schlosskirche verbindet die reformatorische Geschichte Ziegenhains mit der heutigen Konfirmationspraxis. Sie zeigt nicht nur historische Persönlichkeiten, sondern macht sichtbar, wie Bildung, eigenes Glaubensbekenntnis, Segen und kirchliche Erneuerung über Jahrhunderte weitergewirkt haben.
Ein Denkmal für eine weltweite Tradition

Geschichte wird zu Begegnung

Vor der Schlosskirche in Ziegenhain steht eine lebensgroße Bronzegruppe. Sie erinnert an die Ziegenhainer Kirchenzuchtordnung von 1539 und an die Entwicklung jener Form der evangelischen Konfirmation, die Unterricht, persönliches Bekenntnis, Handauflegung und Segen miteinander verband.

Landgraf Philipp, Martin Bucer, eine Konfirmandin, eine Pfarrerin und ein Konfirmand bilden keine starre historische Szene. Die Figurengruppe übersetzt ein theologisches und gesellschaftliches Geschehen aus dem 16. Jahrhundert in eine verständliche Bildsprache der Gegenwart.

Jede Figur erhält auf dieser Seite eine eigene Stimme. Die kurzen Videos erklären, wofür die Personen stehen, welche Rolle sie in der Geschichte der Konfirmation spielen und warum das Denkmal bewusst historische und moderne Figuren miteinander verbindet.

Historischer Hintergrund

Warum Ziegenhain mit der Konfirmation verbunden ist

Die Skulptur erschließt sich erst vollständig, wenn man den historischen Konflikt und die Lösung von 1539 kennt.

Ein Streit um Taufe und Glauben

Nach der Reformation stellte sich die Frage, wie mit Menschen umzugehen sei, die als Kinder getauft worden waren, ihren Glauben aber später selbst verstehen und bekennen sollten. Zugleich standen sich Reformatoren, Landesherren und täuferische Gruppen in zentralen Glaubensfragen gegenüber.

Landgraf Philipp der Großmütige suchte nach einer Lösung, die kirchliche Ordnung, persönliche Glaubensentscheidung und gesellschaftlichen Frieden miteinander verbinden konnte.

Martin Bucers Vermittlung

Martin Bucer wurde nach Hessen gerufen, um zwischen den unterschiedlichen Positionen zu vermitteln. In der Ziegenhainer Kirchenzuchtordnung wurde ein Weg beschrieben, auf dem junge Menschen nach Unterricht und eigener Zustimmung unter Handauflegung gesegnet werden sollten.

Diese Ordnung war kein fertiges modernes Konfirmationsmodell. Sie schuf jedoch eine entscheidende Grundlage für die spätere evangelische Konfirmationspraxis.

Warum die modernen Figuren wichtig sind

Die Pfarrerin, der Konfirmand und die Konfirmandin zeigen, dass die Geschichte nicht im Jahr 1539 stehen geblieben ist. Konfirmation hat sich verändert, wurde pädagogisch weiterentwickelt und in neue gesellschaftliche Wirklichkeiten übertragen.

Die Pfarrerin verweist dabei ausdrücklich auf die Frauenordination. In der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck wurde 1961 die gesetzliche Grundlage für das Amt der Pfarrerin geschaffen; das Gesetz trat 1962 in Kraft.

Fünf Figuren – fünf Stimmen

Die Skulptur erzählt

Alle Videos befinden sich in eigenen Fenstern. Auf großen Bildschirmen stehen die Figuren nebeneinander.

Landgraf von Hessen

Philipp der Großmütige

Er hält die Kirchenzuchtordnung in den Händen und steht für den politischen Willen, Glauben, Bildung und kirchliche Ordnung neu zu gestalten.

Reformator und Vermittler

Martin Bucer

Der Straßburger Reformator entwickelte in Ziegenhain den theologischen Weg, der Taufe, Unterricht, eigenes Bekenntnis und Segen miteinander verband.

Bildung und eigener Glaube

Die Konfirmandin

Sie steht für junge Menschen, die lernen, fragen und ihren Glauben bewusst und in eigener Verantwortung bekennen.

Konfirmation in der Gegenwart

Die Pfarrerin

Sie spendet den Segen und steht zugleich für den Wandel der Kirche. In Kurhessen-Waldeck wurde 1961 die gesetzliche Grundlage für das Pfarramt von Frauen geschaffen.

Segen und Aufbruch

Der Konfirmand

Er empfängt den Segen aufrecht stehend. Seine Haltung verweist auf Selbstständigkeit, Würde und den Weg in einen neuen Lebensabschnitt.

Momente rund um die Skulptur

Von der Entstehung bis zur Enthüllung

Die Fotografien zeigen wichtige Stationen und besondere Ansichten der Konfirmationsskulptur.

Bedeutung der Figurengruppe

Vergangenheit und Gegenwart in Bronze

Die Skulptur verbindet die historischen Ursprünge der Konfirmation mit ihrer heutigen Bedeutung.

Die Ordnung von 1539

Landgraf Philipp und Martin Bucer erinnern an die Ziegenhainer Kirchenzuchtordnung. Sie formulierte einen Weg, auf dem junge Menschen nach Unterricht und eigenem Bekenntnis unter Handauflegung gesegnet wurden.

Bildung für junge Menschen

Die Konfirmandin steht für das reformatorische Bildungsverständnis. Glaube sollte nicht nur übernommen, sondern verstanden, befragt und persönlich verantwortet werden.

Segen ohne Unterordnung

Der Konfirmand kniet nicht. Er steht der Pfarrerin aufrecht gegenüber. Diese Gestaltung vermeidet ein Machtgefälle und betont Würde, Mündigkeit und den selbstständigen Weg ins Leben.

Die Pfarrerin und der Wandel der Kirche

Die Pfarrerin verankert die Figurengruppe bewusst in der Gegenwart. Die Landessynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck verabschiedete im Dezember 1961 das Kirchengesetz über das Amt der Pfarrerin. Es trat 1962 in Kraft.

Eine Geschichte, die weitergeht

Die fünf Figuren bilden keinen abgeschlossenen historischen Augenblick. Sie zeigen, wie sich eine reformatorische Idee über Jahrhunderte verändert und zugleich ihren Kern bewahrt hat: Bildung, eigenes Bekenntnis, Gemeinschaft und Segen.

Der Bildhauer

Lutz Lesch

Entworfen und gestaltet wurde die Konfirmationsskulptur vom Schwalmstädter Bildhauer Lutz Lesch aus Treysa.

Die Figuren entstanden zunächst als Modelle über stabilen Gerüsten. Aus den ausgearbeiteten Formen wurden die Vorlagen für den Bronzeguss geschaffen. So wurde aus einer historischen Idee Schritt für Schritt eine dauerhaft sichtbare Figurengruppe.

Lesch verbindet historische Personen mit heutigen Figuren. Dadurch wirkt das Denkmal nicht wie eine abgeschlossene Szene aus dem 16. Jahrhundert, sondern wie ein Gespräch zwischen den Zeiten.

Der Bildhauer Lutz Lesch
QR

Die Figuren sprechen direkt vor Ort

An der Konfirmationsskulptur führen QR-Codes zu den einzelnen Videos. Besucherinnen und Besucher können Landgraf Philipp, Martin Bucer, die Konfirmandin, die Pfarrerin und den Konfirmanden unmittelbar am Denkmal auf dem Smartphone zum Sprechen bringen – ohne App und ohne Anmeldung.

Entstehung

Die Skulptur wächst in Etappen

Die Figurengruppe wurde nicht auf einmal aufgestellt, sondern über mehrere Jahre vervollständigt.

Weihnachtsmarkt 2022

Landgraf Philipp

Der erste Teil der Konfirmationsskulptur mit Landgraf Philipp wurde zum Weihnachtsmarkt 2022 eingeweiht.

Zweiter Teil

Pfarrerin und Konfirmand

Mit Pfarrerin und Konfirmand erhielt das Denkmal seine deutliche Verbindung zur heutigen Konfirmationspraxis.

Pfarrerin und Konfirmand an der Konfirmationsskulptur
21.09.2024

Martin Bucer und die Konfirmandin

Am 21. September 2024 wurden im Rahmen des Festungsjubiläums die abschließenden Figuren mit Martin Bucer und der Konfirmandin enthüllt und die Gruppe vollendet.

Quellen und Vertiefung

Mehr zur Konfirmationsskulptur

Die Seite stützt sich auf Berichte regionaler Medien, kirchliche Veröffentlichungen und Angaben des Bildhauers.

Ziegenhain als Konfirmationsstadt entdecken

Die Skulptur ist Teil einer größeren Geschichte. Entdecken Sie weitere Orte der Reformation, der Festung und der Stadtgeschichte.